Willi Weber über Radio UNO, Abenteuerlust und den Kampf gegen das Monopol

Mit Radio UNO schrieb Willi Weber ein wichtiges Kapitel österreichischer Radiogeschichte. Seine Sender brachten bereits lange vor der offiziellen Zulassung des Privatradios frischen Wind in die Rundfunklandschaft und zeigten, wie groß das Bedürfnis nach alternativen Programmen war. Noch heute erinnern sich viele Hörer an die markanten Klänge und den Pioniergeist von Radio UNO. Der Gründer von Radio UNO blickte auf die Anfänge des Privatradios zurück und erzählte in einem Interview mit Fritz Linner von Radio Grün Weiß und einem Treffen in Tarvis mit FM Kompakt im Sommer 2025 von einer Zeit, in der Radiomachen noch echtes Abenteuer bedeutete.

20250505_213150.jpg - 2,59 MB

Zwei Radio-Macher! Links: Peter Petzner von Radio Grün Weiß und Willi Weber


Herr Weber, Sie haben mit Radio UNO Radiogeschichte geschrieben und gelten als einer der Pioniere des Privatradios. Wie hat dieses Abenteuer eigentlich begonnen?

Wenn man heute ein Buch darüber schreiben würde, könnte es fast bei den Gebrüdern Grimm erscheinen. Was wir damals gemacht haben, wäre heute kaum mehr vorstellbar. Drei Meter hinter der österreichischen Grenze auf NATO-Schutzgebiet einen 50 Meter hohen Sendeturm errichten, die gesamte Infrastruktur aufbauen und finanzieren – das war schon ein außergewöhnliches Projekt. Alles wurde im Alleingang umgesetzt.


War Ihr Interesse am Radio schon früh vorhanden? Oder kam die Leidenschaft erst später?

Radio und Musik haben mich schon immer begleitet. Noch bevor ich im Auto den Motor gestartet habe, lief bereits das Radio. Ich habe ständig Musik gehört und mich intensiv damit beschäftigt. Später bemerkte ich, wie wichtig die richtige Musikauswahl ist. Die Menschen erinnern sich daran. Genau das war später auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Radio.


Ihre Radiokarriere begann bereits 1976 bei Radio Valcanale. Wie kam es dazu?

Damals arbeitete ich am Wörthersee und hörte erstmals Radio Valcanale. Ich fuhr nach Tarvis, schaute mir den Sender an und wusste sofort: Dort möchte ich mitarbeiten. Ein Jahr lang arbeitete ich praktisch ohne Bezahlung, baute Schritt für Schritt Strukturen auf und konnte beobachten, wie das Projekt immer erfolgreicher wurde. Mit der Zeit kamen Werbekunden hinzu und schließlich konnte ich den Sender selbst übernehmen.


Warum haben Sie später mit Radio UNO einen zweiten Sender gegründet?

Die Zusammenarbeit mit den italienischen Eigentümern von Radio Valcanale wurde zunehmend schwieriger. Je erfolgreicher das Radio wurde, desto höhere Forderungen wurden gestellt. Es gab keine schriftlichen Verträge, alles basierte auf Handschlagqualität. Irgendwann wurde mir klar, dass ich etwas Eigenes aufbauen musste. Deshalb suchte ich einen optimalen Standort und gründete Radio UNO.


Radio UNO sendete von italienischem Gebiet aus nach Österreich. Wie fanden Sie den idealen Standort?

Für UKW gilt im Grunde das gleiche Prinzip wie für Licht: Je freier die Sicht, desto besser die Ausbreitung. Deshalb suchte ich einen Standort am Dreiländereck. Von dort konnte das Signal weite Teile Kärntens erreichen. Zusätzlich betrieb ich weitere Senderstandorte in Italien. Für mich war das nicht nur Technik, sondern auch Leidenschaft.

IMG-20250505-WA0050.jpg - 347,69 kB
Zweiter von links: Willi Weber präsentiert seine Radioerinnerungen


Privatradio war damals in Österreich noch verboten. Hatten Sie Schwierigkeiten mit Behörden oder dem ORF?

Eigentlich nicht. Alles war ordnungsgemäß genehmigt und legal. Der Begriff „Piratensender“ wurde vor allem von Kritikern verwendet. Tatsächlich konnte man rechtlich nichts gegen uns unternehmen, weil wir von Italien aus sendeten. Natürlich waren wir für den ORF eine Konkurrenz, aber wir bewegten uns immer im Rahmen der geltenden Gesetze.


1994 trat in Italien ein neues Rundfunkgesetz in Kraft. Viele Sender mussten schließen. Wie konnten Sie weitermachen?

Das neue Gesetz verlangte eine Sendelizenz und bestimmte Eigentumsverhältnisse. Da ich damals kein EU-Bürger war, musste eine Lösung gefunden werden. Ich übertrug die Anteile treuhänderisch an den italienischen Rennfahrer Luca Cappellari, dem ich vertraute. Dadurch konnte der Sendebetrieb weitergeführt werden. Das war eine pragmatische Lösung, die funktioniert hat.


 

Radio UNO war eines der erfolgreichsten Privatradios seiner Zeit. Was war Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wir haben bewusst auf kommerzielle Musik gesetzt. Künstler wie Roy Black oder Udo Jürgens gehörten selbstverständlich ins Programm. Gleichzeitig habe ich vieles, was damals gerade modern war, bewusst nicht gespielt. Der Erfolg lag darin, den Geschmack der Hörer zu treffen und ein klares musikalisches Profil zu haben. Die Menschen wussten genau, wofür Radio UNO steht.


Auch Ihre Werbung war legendär. Sie galt als frech, modern und anders als das, was man sonst im Radio hörte. Wer entwickelte diese Spots?

Viele Werbetexte habe ich selbst geschrieben und produziert. Bei den Sprechern arbeiteten wir mit bekannten Schauspielern zusammen, darunter Charles Elkins und Erwin Neuwirth. Mir war wichtig, dass Moderatoren nicht gleichzeitig Werbesprecher sind. Werbung sollte professionell inszeniert werden und ihren eigenen Charakter haben. Diese Trennung hat wesentlich zum Erfolg beigetragen.


Obwohl Sie der Gründer und Visionär von Radio UNO waren, standen Sie selbst kaum am Mikrofon. Warum?

Ich war nie der Mann, der unbedingt im Vordergrund stehen wollte. Mein Schwerpunkt lag in der Programmgestaltung. Rund 60 Prozent der Musik wurden von mir persönlich ausgewählt. Damals war das noch echte Handarbeit. Man musste stundenlang mit Bandmaschinen arbeiten und Programme vorbereiten. Computer gab es nicht. Als ich von Radio Valcanale zu Radio UNO wechselte, habe ich bewusst versucht, diesen Übergang für die Hörer möglichst fließend zu gestalten. Viele bemerkten zunächst gar nicht, dass ein neuer Sender entstanden war.


Radio UNO sendete zeitweise sogar vier unterschiedliche Programme. Wie entstand diese Idee?

Das entwickelte sich Schritt für Schritt. Sobald neue Frequenzen verfügbar waren, mussten sie genutzt werden. Also überlegte ich mir für jede Frequenz ein eigenes Konzept. Es gab ein Volksmusikprogramm, ein italienisches Programm, später auch Klassik. Damit konnten wir unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die Werbung wurde jedoch über alle Programme gemeinsam ausgestrahlt. So konnten wir wirtschaftlich arbeiten und gleichzeitig ein sehr breites Publikum erreichen.


Die technische Reichweite von Radio UNO war beeindruckend.

Ja, wir erreichten große Teile Südösterreichs, teilweise sogar Regionen bis nach Salzburg und ins Burgenland. Das war natürlich ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Werbetreibende wussten, dass sie mit Radio UNO viele Menschen erreichen konnten.


1998 gründeten Sie mit Radio Wörthersee eines der ersten offiziell zugelassenen Privatradios in Österreich. Zwei Jahre später verkauften Sie Radio UNO. Haben Sie diesen Schritt jemals bereut?

Eigentlich nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich alle Investitionen zurückbezahlt und die wirtschaftlichen Ziele erreicht. Gleichzeitig sah ich, dass große Medienhäuser und Verlage zunehmend in den Radiomarkt drängten. Die Zeiten der Einzelkämpfer gingen langsam zu Ende. Ich hatte meinen Beitrag geleistet und wusste, dass sich die Branche verändern würde.


Trotzdem verfügte Radio UNO über eine außergewöhnlich starke Marktposition.

Laut damaligen Erhebungen erreichten wir rund 40 Prozent der Kärntner Hörer. Darauf war ich natürlich stolz. Selbst als zahlreiche neue Sender auf den Markt kamen, konnten sie gemeinsam zunächst nicht jene Reichweite erzielen, die Radio UNO allein aufgebaut hatte. Das zeigt, welchen Stellenwert der Sender damals hatte.


Auf der ehemaligen Frequenz von Radio UNO sendet heute die RTL-Gruppe. Warum haben Sie sich damals für den Verkauf an diesen Konzern entschieden?

Das Angebot kam über die Fininvest-Gruppe von Silvio Berlusconi. Mir war klar, dass die Zukunft zunehmend großen Medienkonzernen gehören würde. Die Zeit der unabhängigen Einzelkämpfer war vorbei. Wir konnten uns einigen, und ich habe die Entscheidung getroffen. Das Studiogebäude und die Infrastruktur spielten dabei letztlich keine entscheidende Rolle mehr. Ich habe meinen Frieden mit diesem Schritt gefunden.


Blicken Sie heute manchmal wehmütig auf diese Zeit zurück?

Nein, eigentlich nicht. Natürlich waren es außergewöhnliche Jahre, voller Herausforderungen und Erfolge. Aber ich sehe es positiv: Es war eine schöne Zeit. Wir haben etwas geschaffen, das viele Menschen bis heute mit dem Radio verbinden. Darauf kann man stolz sein.


Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch

IMG-20250505-WA0053.jpg - 406,07 kB

Ein besonderes Radio-Treffen in Tarvis 

 


Mit Radio UNO prägte Willi Weber über viele Jahre die Radiolandschaft im Süden Österreichs. Seine Leidenschaft für Musik, sein Gespür für Programmgestaltung und sein Mut, neue Wege zu gehen, machten ihn zu einem der bedeutendsten Radiopioniere des Landes. Bis heute bleibt seine Geschichte ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Innovation und Begeisterung ein Medium nachhaltig verändern können.

 

Thomas Kircher – www.fmkompakt.de

Ein besonderer Dank geht an Peter Petzner von Radio Grün Weiß, der den Kontakt hergestellt hat

 

 

Neuigkeiten

Jens von Schwake für FMK: Besuchsbericht

Funkmessdienst Thoner Moos/Kärnten


Besuchsbericht von Thomas Riegler:

Radio Agora


FMK Besuchsbericht

ROCK FM


Besuchsbericht

Radio Fantasy Augsburg


Interview mit dem Radio UNO-Pionier

Willi Weber


FMK on Tour: Das besondere Radio:

Klinikenradio Bietigheim-Ludwigsburg


FMK besucht

Antenne Kärnten


FM Kompakt besucht die Medienszene

Oberfranken und Vogtland


Radio Aktiv/Star*Sat Radio und 89 HIT FM waren Meilensteine -

Peter Pelunka mit 65 Jahren verstorben


Wir orgeln alles nieder - Der FMK-Südtirol Stream mit einem Wiederhören der einstigen Radiopioniere auf

dem FMK-Südtirol Webradio